Pershing gegen Panther: Ein Duell in Köln

Kommandanten!

Heute wollen wir euch einen Geschichtsrückblick über die Schlacht um Köln präsentieren. Unser besonderer Dank geht dabei an Robert Rath (Autor) und Karl Brezdin (Graphiker) von Extra Credits, die eine Kurzgeschichte über eines der bedeutendes Ereignisse dieser Schlacht aufgearbeitet haben: ein Panzerduell zwischen Panther und Pershing.

Schauen wir es uns an!


6. März 1945
Köln, Deutschland

Sie sahen den Panther erst, als es schon zu spät war.

Ein Schuss durchschlägt die Geschützblende des Sherman. Ein Zweiter folgt sogleich. Die Kommandantenkuppel öffnet sich. Rauch steigt auf. Ein Mann kommt heraus.

Es ist kein schöner Anblick, wie die Männer versuchen aus dem getroffenen Panzer zu entkommen. Sie stolpern und taumeln wie ein vom Schlag getroffener Boxer. Blutüberströmt und zitternd stürzen sie nieder, ohne darauf zu achten, wohin sie fallen. Der Richtschütze stürzt aus einer Luke und schlägt mit dem Gesicht voran auf die Straße. Der Kommandant zieht sich auf das Heck des Panzers. Die Besatzung des mitgekommenen M4 eilt herbei und hilft ihm. Sein Bein unterhalb des Knies ist verschwunden. Dünne Rauchfäden steigen vom verschmorten Stumpf herauf.

Wir wissen von all diesen Details, denn Sgt. Jim Bates des US Army Signal Corps hält sie auf Film fest. Doch das wird nicht alles sein, was er an diesem Tag auf Film bannt. Bates konnte es nicht ahnen, doch die Zerstörung des Shermans setzte eine Kettenreaktion in Gang, die zu einem der bedeutendsten Panzerduelle des Zweiten Weltkriegs führte. Ein Duell, dass auch dadurch berühmt wurde, weil Bates es mit seiner Kamera festhielt.

Warnung: Die folgenden Videos enthalten Darstellungen von Gewalt, die für einige Zuschauer nicht geeignet sind. Das Anschauen erfolgt auf eigene Verantwortung.

Köln hatte einem Kriegsfotografen einiges zu bieten. Truppen der 3. Panzerdivision und der 104. Infanterie kämpfen um jede Straße, der in Ruinen daliegenden alten Stadt. Die Sicht ist gut und die Landschaft bietet die Möglichkeit für interessante Aufnahmen. Über die Stadt hinweg sieht man die unzerstörten Spitzen des Kölner Doms, der den Gefechten unter ihm fast etwas romantisches verleiht.

Und jeder Kameramann will zu den Ersten gehören, der Bilder liefert, wie die eindrucksvolle Kathedrale von amerikanischen Truppen eingenommen wird. Der geringe Widerstand von deutscher Seite treibt dabei die Waghalsigkeit von Bates noch zusätzlich an. Er war an der Seite des sterbenden Sherman Kommandanten, weil die Jeeps der Journalisten an vorderster Front mitfuhren.

Nur eine Straße weiter hört Sgt. Robert Early die Explosion des Sherman und sieht wie die Rauchwolken über die Dächer hinwegziehen. Ein Funkspruch meldet, dass ein Panther den Domplatz verteidigt. Und, dass er bereits einen Sherman ausgeschaltet hat. Early und seine Besatzung erhalten den Auftrag den Feind zu zerstören. Sein Panzer wurde schließlich extra für solch eine Aufgabe entwickelt. Early hat das Kommando über einen T26E3 Pershing, die amerikanische Antwort auf die schwere deutsche Panzerung.

Drei Jahre lang stritten die Bürokraten darüber, ob die US Army einen schweren Panzer wie den Pershing braucht, oder ob Sherman und Jagdpanzer nicht ausreichen. Doch 1944 war klar, dass die deutschen Panzer um Klassen besser waren, als die schnellen und nur leicht gepanzerten Sherman. Der experimentelle Pershing dagegen, bot ein niedriges Profil mit 105-mm starker Frontpanzerung und einem ordentlichen 90-mm-Geschütz.

Frustriert genehmigte Eisenhower die „Operation Zebra“, ein ungewöhnlicher Einsatztest bei dem 20 Pershings nach Europa geschickt wurden. Das Kommando wurde an erfahrene Besatzungen der 3. und 9. Panzerdivision überstellt. Early und seine Besatzung waren eine der Auserwählten, die auf den neuen Panzer umgeschult wurden. Nun stehen sie vor der Aufgabe, mit dem ihnen noch wenig vertrauten Panzer einen Panther in Lauerstellung auszumanövrieren und zerstören zu müssen.

Early entscheidet sofort, dass sie nicht einfach blindlings losstürmen. Er steigt aus dem Panzer, um die Lage auszukundschaften, als sich ein Typ mit Kamera an seine Seite heftet. Es ist Bates, der mit Filmrollen und Kameraobjektiven vor dem Kommandanten steht und ihn bei der Aufklärung begleiten will.

Wenig später kriechen die beiden Männer bereits durch die Zwischengeschosse des Gebäudes der deutschen Arbeitsfront und studieren den Panther. Er hat sich in eine Ecke des Domplatzes zurückgezogen, von der aus er gleich drei Straßen auf einmal im Blick halten kann. Die Lauerstellung bietet ihm einen klaren Vorteil, doch die Ausrichtung seines Geschützes lässt sich dadurch ebenfalls besser berechnen.

Early gibt Bates den Befehl seine Kamera aufzubauen. Er will mit dem Pershing langsam in die Kreuzung vorrücken und so den Panther von der linken Seite her flankieren. In der richtigen Position will er dem deutschen eine Breitseite verpassen und sich dann zurückziehen. Mit etwas Glück, können sie das Manöver auf Film festhalten. Bates bereitet die Ausrüstung vor und wartet.

Im Inneren des Geschützturms von Nr. 26 hört der Richtschütze Clarence Smoyer, wie Early zurück auf die Kommandanten-Station hinter ihm klettert. Early teilt seinen Männern den Plan mit und gibt dem Fahrer den Befehl vorzurücken.

Smoyer zählt die Entfernung bis zur Kreuzung herunter, da er genug Platz braucht, um das Geschütz auszurichten. Langsam rollt der Pershing zum freien Platz vor, als ein Ruf des Fahrers ertönt. Statt den Panzer zu stoppen, tritt er aufs Gas und rollt direkt ins Freie. Smoyer dreht das Geschütz und sieht den Grund für das unerwartete Verhalten: das Geschütz des Panthers zeigt direkt in ihre Richtung. Das schwarze Auge der Mündung erscheint groß und gefährlich vor seinem Visier. Sie sind verloren.

Der Fahrer versucht die Pershing in Bewegung zu halten, um nicht zu einem leichten Ziel zu werden. Für Smoyer heißt das jedoch ein Schuss aus der Fahrt. Falls er dazu überhaupt die Gelegenheit erhält.

Auf der anderen Seite der Straße gibt Oberleutnant Wilhelm Bartelborth seinem Richtschützen den Befehl noch abzuwarten. Er rechnete mit dem hohen Profil eines Sherman. Doch der Panzer vor ihm glich in seinen Ausmaßen und seinem Profil mehr einem Panther. Eine fatale Täuschung, die ihn einen Moment lang zögern lässt: Ist es ein verbündeter Deutscher?

Als Antwort schlägt ein Geschoss in den Motor ein. Der Pershing stoppt. Rauch steigt von seinem Geschützrohr auf. Im Inneren schiebt der Ladeschütze eine weitere panzerbrechende T33 Granate ins Rohr. Smoyer zieht erneut am Abzug.

Zwei Stockwerke über ihnen wackelt die Kamera von Bates durch die Erschütterung der Schüsse. Von seiner Position aus kann er über Staub und Rauch hinwegsehen und so jeden Einschlag festhalten. Der erste Schuss traf den Panther unter der Geschützblende. Der Zweite geht in seine Seite. Der Motor steht in Flammen. Rauch steigt aus den Luken auf, als die deutsche Besatzung aus dem Panzerinneren flieht.

Eine weitere Erschütterung lässt Bates Kamera erzittern. Diesmal durch eine T30E16 Granate. Ihr Kern aus Wolfram und Karbid löst die Munition des Panthers aus und lässt Funken aus der offenen Fahrerluke sprühen. Eine Feuerseule steigt aus der Kommandantenluke auf.

Der Panther wird bis zum Morgengrauen nicht erloschen sein. Während das Fahrzeug in Flammen steht, richtet Bates den Blick der Kamera auf die Spitzen der gotischen Kathedrale – ein Bild, um zu Zeigen was mit diesem Sieg errungen wurde.

Ein fast schon seltsam wirkendes, künstlerisches Ende und ein Kontrast zu den Aufnahmen des Gefechts. Doch vielleicht war genau das die Absicht von Bates, denn sein Film ist der Grund, warum wir uns noch heute an dieses Duell erinnern. Es war nicht das einzige Aufeinandertreffen dieser Art, und nicht einmal die größte Leistung eines Pershings. Ein Woche zuvor, gelang es einem gleich vier deutsche Panzer, darunter einen Tiger I, in Elsdorf auszuschalten.

Doch keines dieser Ereignisse wurde auf diese Art auf Film gebannt. Wir erinnern uns an das Duell von Köln nicht nur wegen der tapferen Leistung der Männer, oder dem technischen Können der Beteiligten. Auch nicht nur wegen dem eindrucksvollen Hintergrund. Nein, das Duell ist so bedeutend, weil wir es uns noch heute anschauen können. Es zeigt ein einmaliges Aufeinandertreffen von Krieg und Kino.

Zumindest sah es die US Armee so. Denn trotz des Heldenmuts der Besatzung wurde nur ein Mann mit dem Bronze-Stern für die Leistungen während des Duells ausgezeichnet: der Mann, der es gefilmt hat.

Quellen:

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  • Anicursor, “Battle for Cologne - tank duel,” YouTube Video, 9:59, 9. Januar 2010, https://www.youtube.com/watch?v=NBI9d0-IfEM.
  • Anicursor, “Special - tank duel at the cathedral,” Anicursor.com, http://www.anicursor.com/colpicwar2.html.
  • Hart, Stephen A. Panther Medium Tank 1942-45. Oxford: Osprey Publishing, 2003.
  • Pikes Peak Library District. “Jim Bates Photographs.” Pikes Peak Library District Digital Collections. http://cdm15981.contentdm.oclc.org/cdm/landingpage/collection/p15981coll21.
  • PPLDTV, “Battle of Cologne,” YouTube Video, 6:51, 12. Februar 2008, https://www.youtube.com/watch?v=rEqwLLFNC3w&feature=related.
  • Rheindorf, Hermann. March 1945 Duel at the Cathedral. Digital Download. Directed by Hermann Rheindorf. Köln: Kölnprogramm GmbH & Co. KG, 2015.
  • Rooney, Andy. My War. New York: PublicAffairs. 2000.
  • Smoyer, Clarence. “Soldiers’ Memoirs - My Combat Story.” 3rd Armored Division History Foundation. http://www.3ad.com/
  • Zaloga, Steven J. M26/M46 Pershing Tank 1943-53. Oxford: Osprey Publishing, 2000.
  • Zaloga, Steven J. Panther vs. Sherman: Battle of the Bulge 1944. Oxford: Osprey Publishing, 2008.
  • Zaloga, Steven J. Pershing vs. Tiger: Germany 1945. Oxford: Osprey Publishing, 2017.
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