Interview mit Clan-Kommandanten

Ein Clan kann, gerade für neue oder noch unerfahrene Spieler, einschüchternd wirken. Von außen scheint es möglicherweise wie elitäre Verbindungen aus Vollprofis, die nichts anderes machen als World of Tanks zu spielen und keine anderen in ihrer Mitte dulden. Und wer auf die Idee kommt einen eigenen Clan zu eröffnen, der sieht sich neben den Kosten mit weiteren Herausforderungen, wie der Suche nach Mitgliedern, konfrontiert.

Um den Schleier und einige Mythen, um das Clan-System herum zu lüften, haben wir uns mit 2 Kommandanten von großen deutschsprachigen Clans zusammengesetzt und über ihr World of Tanks-Clanleben gesprochen.

Interview mit Patrick von TRVST und Tankie von Odem Mortis:

Anmerkungen der Redaktion

Bevor wir in die Materie eintauchen, stellt euch doch ganz kurz einmal vor. Wer seid ihr, woher kommt ihr und wie lange seid ihr schon bei World of Tanks dabei?

Patrick: Ich bin Patrick, 21 Jahre alt und komme aus Schleswig-Holstein. Ich spiele seit über 6 Jahren World of Tanks, also seit der Closed-Beta und hab im Prinzip alles miterlebt. Von Type 59 war OP, zu er soll nicht verkauft werden und dann kommt er wieder. Ich habe also wirklich sämtlichen Spaß miterlebt, bin aber einer von denen Leuten, die sagen WoT verbessert sich. Es gibt viele Kritiker, die sagen es wird immer schlechter, aber ich sehe die Verbesserungen. Man spielt nicht mehr fünfer KVs gegen Mäuse. Das Gameplay hat sich also auf jeden Fall über die Jahre verbessert. Tankie: Ich heiße auch Patrick, (deshalb hier unter seinem Nick „Tankie“ aufgeführt*), spiele mittlerweile seit 7 Jahren WoT. Das Spiel an sich verbessert sich, aber klar es gibt auch Sachen, die schlechter werden. Es ist deshalb ganz gut, dass man versucht, die Clan-Szene etwas aufzubrechen und ein bisschen attraktiver machen will. Man merkt, dass es weniger Nachwuchs gibt.

Jeder von euch steht an der Spitze eines anderen Clans, bzw. einer Clan-Community. Wir werden in Folge-Artikeln noch näher auf einzelne Clans eingehen, trotzdem möchten wir natürlich wissen, wen ihr vertretet?

Tankie: Ich vertrete die Odem Mortis-Community, das betrifft mehrere WoT-Clans, also OM, OM-X und OM-V. Wir haben auch noch eine Warships-Abteilung mit OM und OMNI (Odem Mortis International*), als englischsprachiger Clan.  Patrick: Ich vertrete die TRVST-Community, das sind aktuell insgesamt 5 Clans, die alle unter meiner Leitung stehen, das heißt, ich bin Kommandant von TRVST, BLIEV, GRATE, CNTRL und DOUBT. DOUBT ist international, alle anderen sind für den deutschsprachigen Bereich, teilen sich allerdings alle einen Teamspeak. Es ist eine große Community, man tauscht sich also auch untereinander aus. Wir sind eine reine WoT-Community, es gibt also nicht noch eine Warships-Abteilung.

Wie lange gibt es den Clan schon und wie groß ist die gesamte Community?

Tankie: Odem Mortis ist seit März 2011 unterwegs und seitdem immer erfolgreich dabei. Insgesamt sind wir heute 300 bis 400 Spieler in der Community. Patrick: Wir haben jetzt gerade vor ungefähr einer Woche unser Jubiläum gefeiert mit TRVST, also unser Einjähriges. Die anderen Clans sind noch jünger. Die Community gibt es also tatsächlich erst seit einem Jahr, ist dafür aber sehr schnell gewachsen.

Wie ist euer Clan entstanden? Und wie habt ihr es in der Kürze der Zeit so weit nach oben gebracht?

Patrick: Ich war vor einem Jahr noch in der Goldenen Garde (eine Weitere deutschsprachige Clan-Community*). Mir hat die Struktur dort nicht mehr gefallen, daher habe ich mit einigen Leuten, denen es ähnlich ging, gesagt, wir müssen etwas Neues machen. Es muss etwas passieren in der deutschen Szene. Zu dem Zeitpunkt war es so, dass unter den großen deutschen Clans OM schon zu den besseren gehörten, während die anderen alle auf einem Niveau waren. Es gab aber keinen Clan mehr, der zur wirklichen Spitze gehörte. Das wollten wir ändern, deshalb haben wir angefangen Leute zu rekrutieren, konnten schnell für Aufmerksamkeit sorgen und auch Leute aus anderen Clans mit ins Boot holen. Außerdem haben wir in Saisons auf der Weltkarte und Kampagnen immer recht gut abgeschnitten, besonders dafür, dass wir so ein zusammen gewürfelter Haufen waren.

Als es dann bei FAME (internationaler, erfolgreicher World of Tanks-Clan*) zu internen Problemen kam und einige ihrer Spieler zu uns gekommen sind, konnten wir noch weiter durchstarten. Ich hätte trotzdem nie damit gerechnet, dass wir soweit kommen und mal sagen können, dass wir von der Overall-Performance der Top 1-Clan sind.

Habt ihr ein Motto, oder etwas, auf das ihr euch als Clan besonders konzentriert?

Patrick: Unser Motto war damals schon und hat sich bis heute nicht geändert: „We Trust No One Except US“ (Wir vertrauen auf niemanden, außer auf uns*). Weil wir bei anderen Clans gesehen haben, dass diplomatische Beziehungen oft nach hinten losgehen.

Ihr wolltet also einen Gegenpol zu den Alteingesessenen schaffen. Wenn wir schon von denen sprechen – wie sieht es bei Odem Mortis aus? Was macht euren Clan aus?

Tankie: Uns gibt es schon sehr lange. Das hat natürlich auch seine Gründe. Das Klima im Clan ist seit jeher sehr gut und es gibt eigentlich keine Rage-Quits. Falls jemand nicht mit den Clanabläufen einverstanden ist, dann bleiben sie nicht lange ein Teil von uns. Wir wollen natürlich auch oben mitspielen und unser Ziel ist in den Kampagnen immer unter die Top 10 zu kommen.

Clan-Steckbrief: We Trust No One

Clan-Tag: [TRVST]

Clan-Motto: We Trust No One Except US

Clankommandant: PJay_InReal

Teamspeak: 145.239.139.240

Gründung: 17.06.2018

Größe: 96 aktive Spieler

Anforderungen:
• Erfahrung in der kompetitiven Clanszene
• 3400 DMG auf Meta Stufe 10 Panzern (zur Abfrage des individuellen Spieler-Skills)
• Hohe Kommunikation innerhalb des Gefechts
• Ambitionen dazu, aktiv am BW und CW Leben teilzunehmen (ca. 3-7 Tage die Woche abends online sein)

Clan-Steckbrief: Odem Mortis

Clan-Tag: [OM]

Clan-Motto: Freude am Siegen

Clankommandant: glenmp

Website: odemmortis.com

Gründung: 29.03.2011

Größe: 99 aktive Spieler

Anforderungen:
• 2300 allgemeine WN8 
• 3000+ WN8 in den letzten Gefechten
• mindestens 3000 DMG auf Meta Stufe 10 Panzern
• CW und BW Erfahrung

Patrick hatte bereits erwähnt, wie ihr Clan entstanden ist. Wie sieht es bei euch mit Neuzugängen aus? Du hattest eingangs auch erwähnt, dass man den Spielerschwund schon etwas merkt.

Tankie: Im Moment läuft es eigentlich ganz gut bei uns. Das liegt auch daran, dass die letzte Kampagne ganz gut lief und nun wieder eine ansteht. Da sind dann immer Leute am Clan suchen, deshalb sind wir im Moment auch voll. Es ist deshalb gerade etwas schwerer für neue Leute einen Platz zu finden, aber das wird sich nach der Kampagne sicher wieder ändern. Es ist ja auch so, dass uns viele Leute kennen und über die Jahre schon viele Leute bei uns waren. Allgemein nehmen die Bewerbungen von Leuten jedoch weiterhin ab. Wir bekommen den Clan zwar trotzdem immer voll, aber so die Auswahl wie früher hat man nicht mehr.

Das ist auch sicherlich eine Frage des Nachwuchses. Wie sieht es da aus? Seid ihr aktiv am Ausbilden?

Patrick: Anfangs haben wir das bei TRVST gemacht, also Leute aufgenommen, die vielleicht das Potenzial hatten, oder bei denen wir gesehen haben, aus denen kann man noch was machen. Mittlerweile sehen wir davon aber ab. Wir nehmen also nur noch Leute auf, bei denen wir wissen, die bringen das Niveau, das wir erwarten. Man lernt nicht wirklich etwas, wenn man im Vorstoß immer gegen Top-Gegner antritt, selbst wenn man vielleicht später die Leistung erreichen würde. Wir haben deshalb auch die Community um die anderen Clans erweitert. In den Tagen vor der Kampagne hatten über 250 Bewerber und konnten diese auf BLIEV und DOUBT verteilen. 

Es ist mittlerweile ganz angenehm, da wir eigentlich nicht mehr aktiv nach Leuten suchen müssen, anders als in den Anfangstagen, als ich noch jeden Tag nach Mitgliedern gesucht habe.

Wenn man es dann zu euch in den Clan geschafft hat. Wie zeitintensiv ist es in einem Clan zu sein? Ihr als Kommandant habt sicher einiges zu tun, doch wie steht es um die Mitglieder mit weniger Verantwortung?

Patrick: Als normales Clanmitglied brauchst du bei uns im Grunde gar keine Freizeit opfern. Es wird dir niemand einen Strick daraus drehen, wenn du anderen Verpflichtungen nachgehst. Natürlich ist es so, dass wir den Mitgliedern nahelegen an Vorstößen teilzunehmen und dabei aktiv zu sein. Aber wir haben im Schnitt abends 40 bis 50 Leute online, da ist man flexibel und jeder kann sich die Zeit selbst einteilen. Da sind wir sehr entspannt. Tankie: Abwesenheit bei anderen Verpflichtungen ist auch bei uns kein Problem. Im Durchschnitt möchten wir schon, dass die Leute um die 10 Tage im Monat an Clan-Modis teilnehmen. Dafür ist man ja schließlich im Clan. Wir nehmen aber natürlich trotzdem auf persönliche Angelegenheiten Rücksicht. Es ist einfach so, wenn du abends nach Hause kommst und von 20:00 Uhr bis 22:00 Uhr World of Tanks spielst, dann gehst du nicht in die Zufallsgefechte, sondern nimmst an Scharmützeln teil, oder einem Vorstoß, Clankriege, was halt gerade aktuell ist. Man spielt also ganz normal nur in anderen Modi.

Findet das Clan-Leben bei euch nur online statt, oder gibt es auch mal ein Offline-Event? Treffen von Mitgliedern, etc.?

Tankie: Während der gamescom veranstalte die Odem Mortis-Community jedes Jahr ein Community-Treffen in Düsseldorf. Meistens an dem Samstag und daran nehmen ungefähr 80 bis 100 Leute teil. Da sind dann auch viele, die schon lange nicht mehr aktiv WoT spielen. Durch die Community, weil sie die Leute mögen und kennen, schauen sie trotzdem vorbei. Es gibt unser Forum, Whatsapp-Gruppen, usw., über die wir weit vernetzt sind. Außerdem gibt es den OM-V für die, die nicht mehr aktiv spielen wollen, aber weiterhin zur OM-Community gehören wollen. Außerdem gibt es auch immer mal wieder privat kleinere Treffen von Leuten, die in der Nähe zueinander wohnen. Es geht also auch viel im echten Leben bei uns zu. Patrick: Wir planen gerade ein Community-Treffen mit allen fünf Clans, also auch den internationalen Leuten, wenn sie die Möglichkeit haben zu kommen. Noch sind wir am Schauen wo genau wir das Treffen veranstalten. Wahrscheinlich relativ zentral in Deutschland. Ansonsten gab es auch bei uns schon mehrere kleine Treffen. Wir haben sehr viele Spielergruppierungen wie „Mangels“, „No Hits“, etc., die sich untereinander schon getroffen haben. Einige Leute wohnen auch bei mir in der Nähe und wir haben uns zum Essen getroffen. Es ist also auch bei uns schon einiges passiert, aber das ganz große Meeting steht noch an.

Zu guter Letzt, welchen Rat würdet ihr einem ganz neuen World of Tanks-Spieler geben, der gerade das Spiel für sich entdeckt hat, bzw. vielleicht auch durch dieses Interview Interesse am Clan-Leben bekommen hat?

Patrick: Eine gute Anlaufstelle ist da das DEPAC (Deutsche Panzer Ausbildungs Corps*). Abgesehen davon würde ich jedem Spieler, der neu ins Spiel kommt, dazu raten einem Fun-Clan beizutreten. Einfach mit Leuten zusammen spiele, die auch Spaß am Spiel haben und mit denen man Erfahrungen austauschen kann. Da lernt die Spielmechaniken, kann sich Sachen abschauen, wird besser und von dort kann man dann weiter in die Wettbewerbsszene aufsteigen. Tankie: Das ist auf jeden Fall der Standardweg von 99,9 % der Spieler. Wenn es gut läuft, dann geht man Anfang zur DEPAC und lernt die Grundlagen. Dann sollte man einem möglichst aktiven Fun-Clan beitreten, vielleicht mit Spielern, die auf gutem Durchschnittsniveau sind. Mit denen dann am besten Zug fahren. Man muss sich ja meist eh erst die Panzer erspielen. Was nicht funktioniert ist einfach World of Tanks installieren und direkt in der Clan-Szene loslegen.

Vielen Dank, dass ihr euch die Zeit genommen habt. Wir wünschen euch weiterhin viel Erfolg und vor allem viel Spaß mit euren Clans und mit World of Tanks.

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