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Der japanische Type 95 Ha-Go

Ursprung und allgemeine Daten

Der kleine, aber schlagkräftige Type 95 war der am zahlreichsten vertretene japanische Panzerkampfwagen des Zweiten Weltkriegs.

Die Gründe dafür, dass ein solch schlichter Entwurf so häufig eingesetzt wurde, waren offensichtlich: Eine geringe Größe und Einfachheit erlaubten die Massenproduktion auch auf kleinen Fertigungsstraßen.

Die ersten Einsatzerfahrungen des mittleren Panzers Type 89 - Fahrzeug zur Bekämpfung von Befestigungen - und des Kavalleriepanzers Type 92 in China verliefen zufriedenstellend. Allerdings war der Type 89 zu langsam, um mit aufgesessener Infanterie mithalten zu können, während der Type 92 zu leicht gepanzert war und nicht ausreichend Schutz bot.

Im Juli 1933 stellten Infanterie- und Kavallerieschulen eine Entwurfsstudie für einen neuen leichten Panzer vor, der Aspekte der beiden bestehenden Modelle vereinte.

Der neue Panzer wog etwa sieben Tonnen und war mit einer im Turm nach vorne gerichteten 37-mm-Kanone Typ 94 oder 98 – letztere war die häufigere Variante – einem 7,7-mm-Maschinengewehr an der Rückseite des Turms sowie einem weiteren MG in der vorderen Wanne bewaffnet.

Fahrer sowie MG-Schütze/Mechaniker befanden sich in der Wanne, der Kommandant, der auch als Richt- und Ladeschütze fungierte, im kleinen Turm.

Der Antrieb erfolgte wie beim Typ 89B über einen luftgekühlten Dieselmotor des Typs Mitsubishi A6120VDe (120 PS). Gleichzeitig wog der Panzer nur die Hälfte des anderen Modells, was eine gute Straßengeschwindigkeit bedeutete.

Die Fertigung wurde Mitsubishi übertragen, und ein erster Prototyp begann im Juni 1934 mit Probefahrten. Nach ausgiebigen Prüfungen durch Infanterie und Kavallerie wurde der leichte Panzer modifiziert und der neuen Unabhängigen Gemischten Brigade in der nördlichen Mandschurei zugeteilt. Die Tests bei kalter Witterung verliefen äußerst positiv und so wurde von Mitsubishi im Juni 1935 ein zweiter Prototyp auf Basis der Testergebnisse gebaut.

Der Entwurf war so zufriedenstellend, dass er als leichter Panzer Type 95 Ha-Go in die Produktion übernommen wurde.

In den Folgejahren ging der Einsatz von Kavallerie zurück, ihre Bezeichnung wurde jedoch beibehalten, um den ursprünglichen Einsatzzweck des Fahrzeugs zu kennzeichnen.

Erster Prototyp des Ha-Go

 

Die Prototypen waren ursprünglich nur mit einem 37-mm-Geschütz im Ein-Mann-Turm bewaffnet. Noch bevor die Serienfertigung anlief, erhielten die Fahrzeuge ein separates Maschinengewehr mit Kugelblende. Dies wurde als Erweiterung auf der rechten Turmrückseite eingeführt, der dem Turm des Type 89B nachempfunden war.

Diese Anpassung ermöglichte es dem Kommandanten des Panzers, abhängig von der Mission entweder mit der Kanone oder dem MG zu kämpfen, indem er zur jeweiligen Waffe wechselte.

Die wichtigste Eigenschaft des Type 95 war sein einfaches Fahrwerk. Je Seite gab es zwei Winkelhebel, die jeweils zwei Laufrollen trugen. Die Ketten wurden über die vorderen Zahnräder angetrieben. Es gab zwei Umlenkrollen.

Das Fahrwerk machte zunächst Schwierigkeiten, denn es neigte auf rauem Untergrund zu übermäßigem Bewegungen um die Nickachse, was es der Besatzung unmöglich machte, mit hoher Geschwindigkeit zu fahren. Daher erfolgte eine Modifikation mit einem Hebel, der die beiden Laufrollen miteinander verband (mandschurisches Fahrwerk). Trotz dieses Umbaus war das Fahrverhalten in unebenem Gelände nach wie vor recht instabil.

Der Panzer wurde im Inneren mit Asbest ausgekleidet, hauptsächlich, um die Besatzung vor den Panzerplatten zu schützen, die sich in der Sonne schnell aufheizten, jedoch auch, um sie bei schnellen Fahrten in unebenem Gelände vor Verletzungen zu bewahren.

Blaupausen des Type 95

 

In der Serienfertigung wurden weitere Änderungen umgesetzt, beispielsweise verlängerte Wannenseiten, um einen größeren Munitionsvorrat lagern zu können.

Einige Panzer wurden für Nachteinsätze mit zwei Reflektoren an der Vorderseite ausgestattet.

Fertigung

Insgesamt wurden letztlich etwa 2.300 Fahrzeuge ausgeliefert. Das Schwerindustrieunternehmen Mitsubishi war ein erster wichtiger Hersteller der Panzersysteme, jedoch auch Sagami Arsenal, Hitachi, Niigata Tekkosho, Kobe Seikosho und Kokura Arsenal lieferten bis zum Kriegsende über 1.200 Fahrzeuge.

Es bleibt anzumerken, dass die Panzerfertigung stark dadurch eingeschränkt war, dass die kaiserlich japanische Marine stets Ressourcenvorrang vor dem japanischen Heer erhielt.

 

Empfang

Der Type 95 war ab 1935 für die kaiserliche japanische Armee einsatzbereit. Zum Zeitpunkt seiner Einführung war der Panzer einer der weltweit besten Entwürfe seiner Klasse. Das Geschütz war für zeitgenössische Verhältnisse leistungsstark, und auch als Gesamtkonzept musste sich der Ha-Go nicht vor ausländischen Modellen verstecken.

Die „interessanteste“ Variante des Ha-Go war der Type 2 „Ka-Mi“, ein Schwimmpanzer. Dieses Modell basierte auf der Wanne des Type 95, wurde jedoch für amphibische Einsätze umgebaut und für das „Inselspringen“ verwendet.

Type 2 Ka-Mi

1943 wurde ein Chassis für Testfahrten eines Schwimmpanzers verwendet, der für die speziellen Landungstruppen der Marine vorgesehen war. Dies führte zum Umbau „Ka-Mi“, der mit zwei abtrennbaren schwimmfähigen Pontons ausgestattet war. Der Type 2 Ka-Mi wurde zwischen 1943 und 1944 gefertigt und 1944 bei Kämpfen auf den Marianen, auf den Marshallinseln und um Guam eingesetzt. Es wurden nur 182 Stück fertiggestellt.

Ein Type 2 Ka-Mi 1945 bei Erprobungen durch australische Truppen

 

Ein kurzer Überblick über die Bewaffnung

Die Hauptbewaffnung war das 37-mm-Geschütz Typ 98. Diese Waffe konnte zwar leicht gepanzerte Fahrzeuge und Befestigungen erfolgreich bekämpfen, war jedoch gegen die meisten alliierten mittelschweren Panzermodelle ab der Kriegsmitte zu schwach.

Das Kaliber des 37-mm-Geschützes Typ 98 betrug 46,1. Der vertikale Neigungswinkel reichte von −15 bis +20 Grad.

Der Panzer führte zwei Arten von 37-mm-Munition mit: Sprenggranaten und panzerbrechende Granaten. Bei panzerbrechenden Granaten ergab sich bei einer Mündungsgeschwindigkeit von 675-700 m/s eine Durchschlagskraft von 25 mm auf eine Entfernung von 500 Metern.

Kleiner Panzer in großem Einsatz

Der Type 95 Ha-Go war Teil sämtlicher landgestützten Operationen der Japaner: gegen die Briten auf der malayischen Halbinsel und in Singapur. Es gab sogar Gefechte in Britisch-Indien.

Während der ersten Kriegsjahre waren die alliierten Truppen in Asien nicht darauf vorbereitet, gepanzerte Fahrzeuge in Urwaldumgebungen zu bekämpfen, da man dies auf alliierter Seite nicht vorhergesehen hatte. Die alliierte Verteidigung brach letztlich unter japanischem Druck an vielen Orten Asiens und im Pazifik zusammen.

Die einzigen feindlichen Panzer, die jemals den Boden der USA betraten waren leichte Panzer Type  95 Ha-Go einer Kompanie des 11. Panzerregiments. Das Regiment verstärkte die 3. spezielle Landungstruppe der Marine auf Kiska in den Alëuten vor Alaska bei einem Landungsangriff am 6. und 7. Juni 1942. Die Inseln wurden bis zum US-Gegenangriff im August 1942 aufgegeben.

Ab Mitte des Zweiten Weltkriegs traf der Type 95 letztlich auf überlegen fortschrittlichere US-amerikanische und britische Panzer, die auf den Kriegsschauplatz im Pazifik verlegt wurden.

Die Panzerung des Ha-Go erwies sich als unzureichend, und sein 37-mm-Geschütz konnte gegen die schwer gepanzerte und besser bewaffnete Stahlwandkönigin Matilda und den leichten amerikanischen M5 Stuart bzw. mittelschweren M4 Sherman nur wenig ausrichten.

Darüber hinaus war der Einsatz tragbarer Raketenwerfer vom Typ „Bazooka“ durch die US-Marineinfanterie ein ziemlicher Schock, denn diese Waffe war in der Bekämpfung der leicht gepanzerten Type 95 äußerst effektiv.

1944 waren die kleinen Panzer gegen Panzerfäuste, Panzerbüchsen und sogar Geschosse des Kalibers 12,7 mm nicht mehr gefeit. Ihre Zeit war eindeutig abgelaufen.


 

Daten
Mannschaft 3 (Kommandant, Fahrer, MG-Schütze in der Wanne)
Kampfgewicht 7,4 metrische Tonnen
Leistungsgewicht 16,2 PS/t
 Länge gesamt 4,37 m
 Breite 2,06 m
 Höhe 2,13 m
 Motor Mitsubishi A6120VD 12VD Sechszylinder-Dieselmotor mit 120 PS; Getriebe mit 5 Gängen (4 Vorwärts-, 1 Rückwärtsgang)
 Tankvolumen Etwa 104 Liter im Haupttank, mit 27 Litern Reserve
 Höchstgeschwindigkeit (Straße) 45 km/h
 Höchstgeschwindigkeit (Gelände) 29 km/h
 Maximale Reichweite 209 km
 Kraftstoffverbrauch 0,43 l/km
 Unterfahrhöhe 0,4 m
Bewaffnung Typ 98, 37-mm-Panzergeschütz (L/Kaliber 46.1)
Zwei 7,7-mm-MGs Typ 97
Munitionsvorrat 130 37-mm-Geschosse
3.300 7,7-mm-MG-Patronen
Mündungsgeschwindigkeit 701 m/s
Durchschlagsleistung 40 mm bei 90 Grad auf 500 m Entfernung mit 0,67 kg schwerem panzerbrechenden Geschoss Typ 1
Maximale Kampfentfernung 2,9 km
Panzerung 12 mm Wannen- und Turmvorderseite, Wannen- und Turmseite; Wannen- und Turmrückseite: 9 mm Ober- und Unterseite
Referenzen
  • Steven J Zaloga – Japanese Tanks 1939 – 45
  • Leland Ness – World War II Tanks and fighting vehicles the complete guide
  • Öffentliche Domain
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