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Die Stahlwandkönigin, Teil 2

Diese Woche sehen wir uns in dieser von ‚Listy’ eingereichten Serie die Geschichte des Matilda an.

 

Der Hammer fällt

Nach dem Westfeldzug wurde die standardmäßige Matilda vollständig vom Frontdienst abgezogen. Das 7. RTR (Royal Tank Regiment) wurde mit 48 Matilda Seniors ausgestattet und auf den nordafrikanischen Schauplatz verlegt. Man stellte fest, dass der Panzer in der Wüste eine bessere Leistung erbrachte als in Europa. Dank des weicheren, sandigen Terrains befand sich das Laufwerk auf der Höhe, für die es ausgelegt war, und mit weniger Bedarf für Wende- und andere Manöver erhöhte sich die Zuverlässigkeit der Matilda Senior beträchtlich. Fügt man dazu noch die unantastbare Stärke der Panzerung des Matilda Senior hinzu, dann ist klar, warum der A12 den Spitznamen Queen of the Desert (Wüstenkönigin) erhielt.

Die erste Kampfhandlung des 7. RTR bestand in einem Gefecht gegen die Maletti-Gruppe. Diese bestand aus zwei Panzerbataillonen und sechs Infanteriebataillonen.

Dank Luft- und Artillerieunterstützung gelangten die Matilda Seniors in Begleitung der 11. indischen Division hinter die Stellungen der Maletti-Gruppe und griffen von dort mit aller Macht an. In den ersten zehn Minuten hatte das 7. RTR den Großteil der italienischen Panzerstreitkräfte zerstört. Die Panzer machten sich dann daran, die restlichen Stellungen dem Erdboden gleichzumachen. Trotz des italienischen Widerstands, einschließlich Treffern aus nächster Nähe von italienischen Panzerabwehrkanonen, brach die Verteidigung zusammen und die Operation war in nur 5 Stunden beendet. Nach nächtlichen Kämpfen hatte das 7. RTR seinen Beitrag zur Vernichtung des örtlichen Feindwiderstandes geleistet.

 

Die nächste größere Auseinandersetzung fand bei der Unterstützung australischer Truppen während des Angriffs auf die Bardia-Festung statt. Um dabei zu helfen, hatte das RTR bereits mit Methoden zur Vermeidung von Minenfeldern, Stacheldraht und Panzerabwehrgräben experimentiert. Ein Gerät für diese Zwecke war eine Brücke, die auf Ketten, die von Universal Carriers stammten, vor den Panzern hergeschoben wurde. Die Brücke wurde in Position gebracht, indem sie in den Graben geschoben wurde. Sie wurde dann abmontiert und die Matilda Senior konnte sie überqueren. 

 

Bei Bardia fand das 7. RTR viele italienische Bunker. Da die 2-Pfünder über keine Sprenggranaten verfügten, entschlossen sich die Besatzungen kurzerhand dazu, die Bunker mit ihren Panzern zu rammen. Die 25 Tonnen schwere Abrissbirne in Form der Matilda Senior war dabei äußerst effektiv, auch wenn diese Verwendung die Belastungen durch die langen Marschwege, die die Panzer bereits hinter sich hatten, noch verstärkte. Als das 7. RTR in der Belagerung von Tobruk zum Einsatz kam, verfügte es nur noch über eine einzige Kompanie einsatzfähiger Panzer. Trotz all der intensiven Kämpfe, die die Panzer ausfochten, war nur einer der vielen Verluste auf direkte Feindeinwirkung zurückzuführen.

Die Matilda Senior diente weiter mit den 7., 4., 42. und 44. RTR im Verlaufe der Operationen Battleaxe und Crusader. Doch es zeigten sich eine Reihe von Mängeln. Trotz der Tatsache, dass selbst die deutsche 50 mm Pak 38 den Matila Seniors nichts anhaben konnte, bedeutete die mobile Natur des Wüstenkampfs, dass die Infanterie-Doktrin und damit auch die Infanteriepanzer-Doktrin nicht galt. Dies bedeutete, dass der Matilda zum Zeitpunkt der Schlachten an der Gazala-Linie immer seltener im britischen Dienst anzutreffen war.

 

Eine Flucht zum Zirkus

In der Wüste war das Terrain für die Matilda Senior günstig und im CBI-Schauplatz (China, Birma, Indien) entsprach das Gelände sogar noch mehr den Eigenschaften des Panzers. Im Dschungel galt die Infanterie-Doktrin wieder. Die kleine Größe, die gute Motorleistung und starke Panzerung machten die Matilda Senior zu einer willkommenen Verstärkung für die australischen Streitkräfte.

 

Die Australier übernahmen die Matilda Senior für verschiedenste Einsatzzwecke. Aufgrund der Anzahl seltsamer Zweckentfremdungen wurde die 4. gepanzerte australische Brigade auch als „Zirkus“ bezeichnet. Viele der Umbauten wurden an normalen Geschützpanzern vorgenommen, bei denen zusätzliche Panzerung an Wannenrückseite und Motor angebracht wurde. Doch zu weiteren Umbauten gehörten auch Flammenwerfer und Pionierausrüstung. Der spektakulärste Umbau ist vermutlich der „Hedgehog“, der Igel.

Am Hedgehog wurde ein gepanzerter Kasten montiert, der flach auf der Wanne angebracht war. Ein Hydrauliksystem beförderte diesen Kasten in eine Abschussposition. Der Kasten enthielt sieben Ladungswerfer-Projektile, jedes Projektil brachte dabei 65 Pfund auf die Waage. Der Panzer wurde auf den Gegner ausgerichtet und die erforderliche Anzahl an Projektilen abgeschossen. Jedes Projektil enthielt eine doppelt so große Sprengladung wie die 152 mm-Haubitze des KV-2, man musste also von einem zerstörerischen Effekt auf Bunker ausgehen.

Obwohl 1945 getestet, kapitulierten die Japaner, bevor dieses Modell zum Einsatz kommen konnte.

 

Die Polen-Connection

Vor Kurzem wurden Fotos gefunden, die eine A11 Matilda in Polen zeigen.

 

Dies hat einige Fragen aufgeworfen. Einige Quellen behaupten, dass eine einzige Matilda an die polnische Armee geliefert wurde, bevor der Krieg ausbrach, aber dies konnte nicht bestätigt werden. Es ist bekannt, dass die Deutschen in Frankreich 97 Matildas von den Briten erbeuteten. Wenn ihr euch fragt, warum mehr Panzer erobert wurden, als tatsächlich in der 1. Panzerbrigade eingesetzt wurden: Die Differenz erklärt sich durch Ersatzfahrzeuge in Depots, welche die Deutschen überrannten.
Zwei der eroberten Matildas wurden für Tests nach Kummersdorf überstellt und eine wurde zur Inspektion auseinandergenommen. Von diesen Ausnahmen abgesehen konnte man nicht nachverfolgen, was aus einzelnen Panzern wurde. Es ist wahrscheinlich, dass die wenigen verbleibenden Ersatzwannen für Panzer der inneren Sicherheit verwendet wurden, wie dies oft bei von Deutschen eroberten Panzern der Fall war. Es ist möglich, dass dieses Schicksal auch die polnische Matilda ereilte.

Was viele überraschen dürfte, ist die Tatsache, dass die Matilda bis 1955 im Dienst blieb, wenn auch nur als Kampfgerät der australischen Reserve.

 

Referenzen

  • David Fletchers Osprey zum Matilda-Panzer
  • Richard Holmes' Interview mit einem Kommandanten der A11 Matilda
  • Frei zugängliche Inhalte
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