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Lernt den T72M4 CZ kennen

Erst kürzlich hatte ich das Vergnügen, einen Tag mit dem 73. Panzerbataillon (der tschechischen Armee) und dem T72M4 CZ verbringen zu dürfen. Dieses Fahrzeug basiert auf dem originalen T-72 (der zweiten Generation) und wurde komplett modernisiert – damit ist es auf dem Niveau einer Variante der dritten Generation.

Hintergrund

Der T72 ist bereits seit 1981 im Dienst der tschechischen Armee und man hat dort Pläne für ein umfangreiches Modernisierungsprogramm geschmiedet. Unter den zahlreichen Punkten auf der Wunschliste standen unter anderem ein besserer Schutz – sowohl gegenüber Feindbeschuss als auch gegenüber negativer Strahlung und chemischen Kampfstoffen.

Anfänglich wurde viel darüber diskutiert, ob man den T72S und später den T72S1 überhaupt anschaffen sollte. Diese Pläne wurden jedoch hauptsächlich aufgrund finanzieller Beschränkungen (und politischer Zurückhaltung) auf Eis gelegt.

CV-12

Im Jahre 1995 wurde ein Herstellungswettbewerb ausgeschrieben und VOP 025 (Military Repair Plant 025) wurde als Generalunternehmer für das tschechische Programm des neuen T72M1 ausgewählt. Es wurden zwei Prototypen angefertigt: der T72M3 und der M4.

Der einzige wirkliche Unterschied zwischen diesen beiden Fahrzeugen (M3 und M4) war die Leistung. Der M4 hatte den neuen CV-12-TCA Condor, ein Bauteil, das ich bereits kannte. Wo hatte ich das nur schon mal gesehen? Nun, es sind die gleichen British Perkins Engines, die man für den Challenger 2 verwendet, nur mit 1.000 PS gegenüber den 1.200 PS des Challenger 2.

Warum ist die Leistung geringer? Vergleicht dazu das Gewicht:

  • T72M4: 48.000 kg
  • Challenger 2: 62.500 kg

  • T-72M4 CZ mit NPP-2000-1 PowerPack (T-72M4 CZ with NPP-2000-1 PowerPack)
  • Max. Beschleunigung auf der Straße (Max. Acceleration on Road)
  • km/h (Km/Hr)
  • Geschwindigkeit, km/h (Speed, Km/Hr)
  • Entfernung, m (Distance, M)
  • Zeit, Sek. (Time, Sec)
  • Entfernung, Meter (Distance, Meters)
  • Vergleich der Beschleunigungsleistung (Acceleration Performances Comparison)
  • Geschwindigkeit nach 20 Sekunden (Speed after 20 Seconds)
  • Original T-72 / 41,5 Tonnen (Original T-72 / 41.5 tonnes)
  • Modernisierter Nimda T-72M4 CZ / 48 Tonnen (Nimda Modernized T-72M4 CZ / 48 tonnes)

 

Die Hauptvorteile des NPP 2000-1 Power Pack (laut der Verkaufspräsentation) sind:

  • verbesserte Beschleunigung aus dem Stand auf 32 km/h in etwa 8,5 Sekunden (früher 13-15 Sekunden) – Höchstgeschwindigkeit: 61 km/h
  • bessere Mobilität und Manövrierfähigkeit im Gelände
  • Verbesserungen bei verschiedenen Witterungsbedingungen
  • geringere Arbeitslast des Fahrers (einfachere Wartung)
  • unterstützt die Mannschaft, um menschliche Fehler vorzubeugen (falsche Auswahl der Getriebeübersetzung oder bei fehlender nötiger Kühlung)
  • höhere Zuverlässigkeit und Haltbarkeit und damit eine Verlängerung der Einsatzdauer
  • Triebwerksblock kann innerhalb von zwei Stunden ausgetauscht werden (Ich denke, das ist eine sehr optimistische Einschätzung, da ich schon einige davon am Challenger 2 ausgewechselt habe)

Beim Getriebe handelt es sich um das von den Amerikanern entwickelte Allison Transmission XTG-411-6. Es ist vollautomatisch und hat vier Vorwärts- und zwei Rückwärtsgänge. 

Der Tag begann mit einer (nassen) Fahrt im Trainingsgelände. Danach folgten verschiedene Vorführungen der Manövrierfähigkeit des Fahrzeugs.

       

 

Wollt ihr es einmal in Aktion erleben? Hier ist ein kurzes Video dieses Tages.

 

Die Vorführung der Geschwindigkeit, mit der man eine Brücke überquerte, war beeindruckend (der Panzer flog sogar durch die Luft, wie ihr im Video sehen könnt). Zumindest waren die Zuschauer sehr beeindruckt … Der Kommandant stieg danach jedoch ziemlich „durchgeschüttelt“ aus dem Panzer. „The_Challenger“ hatte natürlich sofort bemerkt, dass es kein Hydro-Gas-Kettenlaufwerk gab. 

Überqueren eines Wasserhindernisses. Mit ausgerüstetem Schnorchel kann der Panzer Wasser mit einer Tiefe von bis zu fünf Metern durchqueren. 

 

Bewaffnung / Feuerleitsystem

Der Panzer hat die 2A46 (D-81TM) 125 mm Smoothbore als Hauptbewaffnung.

Er hat ein automatisches Trommelmagazin (unten), was für einen britischen Panzerfan immer ein guter Grund für eine Diskussion ist. Es gibt eine vollständige Stabilisierung mit vorhandenem Rauchabzug und außerdem ist eine Mündungsbremse ausgerüstet. Das ist ähnlich wie beim Challenger 2 und damit kann der Richtschütze schnell überprüfen, ob die Ausrichtung zwischen Geschütz und Visier stimmt. 

Die installierte Feuerleitanlage ist die italienische Officine TURMS-T (Tank Universal Reconfigurable Modular System), welche die benötigte Zeit für das Abfeuern verringert. Zudem erhöht es die Wahrscheinlichkeit eines Treffers gleich beim ersten Schuss. Im Herzen des Systems ist der TMC (Turret Management Ballistic Computer), der die K1-Box ersetzt hat.

Sowohl der Richtschütze als auch der Kommandant haben stabilisierte Primärvisiere mit sowohl Tag- als auch Nachtsichtmodus. Der Richtschütze verfügt zudem über einen Laser-Entfernungsmesser.

Das Visier des Kommandanten ähnelt hinsichtlich Konfiguration und Verwendung sehr dem des Challenger 2  und eignet sich für zielgerichtete „Jäger/Killer“-Waffengänge. Das bedeutet, dass der Kommandant Ziele identifizieren und bestimmen kann, während der Richtschütze einer anderen Tätigkeit nachgeht. Die Nachtsicht soll bis zu 4.200 Meter betragen.

 

Panorama-Aussicht des Kommandanten

Bezüglich der „Kopfbedeckung“ hatte ich die Ansicht, dass die im Vergleich zu unserem britischen Kopfschutz ziemlich bequem sei. Die Mannschaft bekräftigte allerdings einstimmig, dass sie bei längerem Tragen gar nicht so toll ist! 

       
Visier des Kommandanten: Vergrößerung: Tag x4 +x 12. Nacht x5 + x13
  Visier des Richtschützen

 

Es wurden zahlreiche neue Sensoren eingebaut. Darunter sind auch ein Turmsensor und ein Wettersensor. Dieser Wettersensor füttert den Computer mit den Daten über die Wetterbedingungen, die Windstärke, die Windgeschwindigkeit usw. und passt die ballistischen Daten entsprechend an. Dies ist eine weitere Verbesserung für die Wahrscheinlichkeit eines Treffers mit dem ersten Schuss.

Besondere Aufmerksamkeit rief die Quote von + 80 % für eine Trefferwahrscheinlichkeit hervor, wenn man auf ein Ziel in 2000 Meter Entfernung schießt.

 

Turm

Der Kommandant hat eine neue feste Kuppel mit stabilisierter Panoramaaussicht, die direkt darunter angebracht ist. Direkt rechts daneben ist eine Halterung für ein 12,7-mm-Geschütz. Darauf ist (Bild unten) das 7,62-mm-Gechütz PKT montiert.

Außerdem ist das Fahrzeug nun mit dem polnischen Laserwarnsystem PCO SSC-1 ausgestattet. Dieses erkennt, ob das Fahrzeug mit Laser-Erkennungsgeräten entdeckt wurde. Es erkennt zudem die Richtung der Bedrohung.

       
Sensoren des Laser-Warnsystems – deutlich sichtbar.
  SSC-1 Laser-Warnsystem

 

Eine weitere Neuheit ist der Einbau einer deutschen Kidde-Deugra-Feuermelde- und Feuerbekämpfungsanlage. Wie der Name schon andeutet, wurde dieses automatische System entwickelt, um einen ausbrechenden Brand einzudämmen.

 

Panzerung/Schutz

Neben der Verbundpanzerung gibt es eine zusätzliche Panzerung mit dem Namen Explosive Reactive Armour (ERA) – diese besteht aus zahlreichen Platten, die über der Panzerwanne, der Front und dem Turmdach angebracht sind. 

Diese DYNA (Dynamic Armour) genannte Panzerung wurde in Polen entwickelt und bietet einen gewissen Schutz gegen Schüsse mit kinetischer Energie wie APFSDS (Armour Piercing Fin Stabilised Discarding Sabot) und Schüsse mit chemischer Energie wie HESH (High Explosive Squash Head).

Ich habe schon die zahlreichen internationalen Zulieferer erwähnt, die an diesem Fahrzeug beteiligt sind, doch auch  viele tschechische Unternehmen leisten für dieses Fahrzeug ihren Beitrag. Synthesia entwickelte die verbesserte 125-mm-APFSDS-T-Munition und Letecke Pistroje Praha SRO entwickelte das NBV-97 GPS. Ebenfalls hier im Land wird das Metra Blankso SP System hergestellt, mit dem mittels magnetischem Zünder Minen unschädlich gemacht werden.

All dies zusammengenommen verfügt der T72M4 CZ sowohl über eine aktive als auch über eine passive Verteidigung. 

 

Zusammenfassung

Ich habe versucht, in diesen wenigen Zeilen die wichtigsten Modifikationen hervorzuheben. Es gibt natürlich noch viele weitere Änderungen und man könnte leicht ein ganzes Buch über dieses Thema schreiben.

Ich habe schon ältere Modelle des T72 gefahren und damit geschossen, und ich muss zugeben, dass dieses Modell um Welten weiterentwickelt wurde. Wollte man den M4 mit dem Original vergleichen, wäre das wie eine Gegenüberstellung des Challenger 1 mit dem Challenger 2.

Es ist ein leistungsfähiges Fahrzeug, auch wenn es nicht gerade komfortabel ist – und die Vorstellung, lange Zeit darin eingeschlossen sein zu müssen, ist definitiv nicht sehr reizvoll. Die Mannschaftsabteile sind beengt, und die Höhe und damit auch der belegte Raum, sind niedrig. 

Es ist wendig, zielgenau und bietet einen anständigen Schutz für die Mannschaft.

Die Konstruktion ist bewährt und zuverlässig und man kann sie als die dritte Generation des Panzers bezeichnen

Ich möchte den Jungs des 73. Panzerbataillons der tschechischen Armee für diesen wundervollen Tag meinen Dank aussprechen. Ich danke euch sehr, dass ihr einen britischen Panzerfan auf euer Fahrzeug losgelassen habt.

 

Referenzen
  • 73. Panzerbataillon – Gespräch
  • CZWeb.org
  • Globalsecurity.org
  • VOP 025 Novy – Gespräch
  • T72 Main Battle Tank 1974-93 von Steven Zaloga
  • Nimda Co.Ltd – Briefwechsel
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