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Japanische Panzerentwicklung - Erste Schritte

Wenn die Menschen an den Zweiten Weltkrieg und Japan zurückdenken, dann fallen den meisten von ihnen Begriffe wie ehrenhafte Krieger, furchterregende Flugzeuge, Kamikaze-Piloten und eine mächtige Marine ein. Aber Panzer? Warum sollte ein Inselstaat Panzer besitzen?

Japan war das einzige Land außerhalb Europas und Nordamerikas, das während des Zweiten Weltkriegs eine beträchtliche Menge von Panzern herstellte.

Die japanische Panzerproduktion in den 30er Jahren war aufgrund des Konflikts mit China größer als die vieler europäischer Streitkräfte. Zu jener Zeit war Japan ein Vorreiter bei der Panzertechnologie und führte eine Reihe von Innovationen ein, wie z. B. Dieselmotoren und die übersetzte Lenkung.

Bis 1940 war die japanische Panzertruppe nach den Panzerstreitkräften der Sowjetunion, Frankreichs, Großbritanniens und Deutschlands die fünftgrößte der Welt.

Nach 1941 jedoch verschoben sich die industriellen Prioritäten durch einen Strategiewechsel bei den japanischen Kriegsanstrengungen von den Bedürfnissen der Landstreitkräfte hin zu denen der Kaiserlichen Japanischen Marine. In den darauffolgenden Jahren wurden daher sowohl die Panzerproduktion als auch die Panzerentwicklung stark heruntergefahren.


Weiblicher Panzer Mk.IV der Chiba-Infanterieschule.

Wie es dazu kam

Im frühen 20. Jahrhundert war Japan einerseits neugierig auf die militärischen Entwicklungen des Westens und gleichzeitig etwas beunruhigt hinsichtlich seiner eigenen Kriegsausrüstung. Um sich inspirieren zu lassen, blickte Japan nach Europa.

Ein interessantes Muster zeichnete sich ab. Japan eignete sich die europäischen Spitzentechnologien an und passte sie japanischen Bedürfnissen an. Dies geschah vor allem bei der Konstruktion von Kriegsschiffen. Hier spielte britische Technologie eine zentrale Rolle.

Nach dem Ersten Weltkrieg begann Japan, basierend auf den Erfahrungen der militärischen Auseinandersetzung, seine Streitkräfte zu modernisieren.

Eine kleine Anzahl von Panzern wurden zu Auswertungszwecken erworben. Zunächst ein einzelner britischer Mark IV im Oktober 1918, gefolgt von sechs britischen mittleren A-Whippet-Panzern sowie 13 französischen Renault FT-Panzern im Jahre 1919. Sie wurden hauptsächlich von den Infanterie- und Kavallerieschulen der Kaiserlichen Japanischen Armee genutzt, allerdings setzten die japanischen Besatzungstruppen gegen Ende des russischen Bürgerkriegs zwei Whippets in Wladiwostok ein. Die ersten Panzereinheiten wurden 1925 aufgestellt, wobei fünf Renaults FT in der 1. Panzerabteilung der 12. Division eingesetzt wurden, und die Whippets eine eigene Panzerabteilung bei der Infanterieschule in Chiba bildeten.

Whippets beim japanischen Militär.

 

Das einzige für den Dienst erworbene Fahrzeugmodell war der Renault NC, von dem 1929 zehn bestellt und geliefert wurden. Da die Kaiserliche Japanische Armee nur widerwillig Kriegsmaterial importierte, errichtete sie das „Militärlabor“ im Bezirk Okubo, um motorisierte Fahrzeuge und ähnliche Gegenstände zu entwerfen und zu entwickeln. Ein anderer Bereich des Labors war für Panzer und gepanzerte Fahrzeuge verantwortlich.

Während die meisten Nationen, die bei der Panzerentwicklung ganz am Anfang stehen, sich zunächst an kleinen Fahrzeugen versuchen, startete Japan direkt mit einem Fahrzeug, das für die damaligen Verhältnisse als mittlerer Panzer galt. Bald wurden die ersten Anforderungen beim Technischen Büro der Kaiserlichen Japanischen Armee im Bezirk Okubo eingereicht.

Der erste Prototyp wurde aus weichem Stahl gefertigt und in der Mitte mit einem Hauptturm sowie vorne und hinten mit Zusatztürmen ausgestattet - ähnlich dem Aufbau des französischen Char 2C. Obwohl der Panzer im Sommer 1926 in der Waffenfabrik in Osaka fertiggestellt wurde, wurde er mit 16,3 Tonnen als viel zu schwer befunden. Aus ihm wurden später die schweren Panzer Type 91 und Type 95 entwickelt. Beide wurden jedoch von der Kaiserlichen Japanischen Armee ausgemustert und nicht in Dienst gestellt, da ihr Design als zu umständlich eingeschätzt wurden.

Experimenteller Panzer Nr. 1

 

Im März 1927 erwarb Japan einen Prototyp des Vickers Modell C. Der Motor des Fahrzeugs fing jedoch in der Testphase Feuer, was die japanischen Entwickler dazu veranlasste, bei der zukünftigen Entwicklung auf Dieselmotoren zu setzen.

 

Type 89 Yi-Go

Ein zweiter Entwurf eines leichten Panzers wurde in Angriff genommen und 1929 als Type 89 Yi-Go in den Dienst gestellt.

Manche von euch erkennen ihn vielleicht als das „kleine Fahrzeug“ des Duck Teams (アヒルさんチーム, Ahiru-san Chimu) aus der populären Anime-Serie „Girls und Panzer“.

 

Die Verantwortung für die Produktion des mittleren Panzers Type 89 wurde an die Sagami Waffenfabrik übergeben. Aufgrund begrenzter Produktionskapazitäten lagerte sie seine Fertigung an eine Reihe von zivilen Unternehmen aus, eines der bekanntesten davon war Mitsubishi.

Es wurden zwei Versionen des Type 89 gleichzeitig gebaut: Der 89A mit einem 118 PS starken Benzinmotor und der 89B mit einem 120 PS starken Dieselmotor. Da dies der erste Panzer war, der in Japan hergestellt wurde, waren zusätzlich kleinere Verbesserungen vonnöten, die zu verschiedenen Zeitpunkten während der Produktionsphase beider Modelle eingeführt wurden. Die meisten dieser Änderungen basierten auf Truppenerfahrungen.

So wurde etwa die Kommandantenkuppel des Turms in späteren Produktionsserien angepasst: von einer kleinen „Zylinder“-Form hin zu einer praktischeren Kuppel mit geteilter Luke für Belüftung und Zugang.

 


Japanische Soldaten neben einem Type 89

 

Da die Produktion des Type 89 erst 1931 begann, bestellte die Kaiserliche Japanische Armee 1930 zehn NC 1. Der Renault NC war an den ersten Einsätzen (China) der Panzertruppe der Kaiserlichen Japanischen Armee beteiligt.

Die 1. Spezial-Panzerkompanie, bestehend aus Renault FT- und NC-Panzern, wurde nach dem Mandschurei-Zwischenfall im Januar 1932 in die Mandschurei geschickt.[i] Die unabhängige Panzerkompanie, bestehend aus fünf Type 89 und zehn Renault NC, war an dem Zwischenfall am 28. Januar beteiligt[ii]. Obwohl der neue Panzer gute Dienste leistete, machte das Fahrwerk des Renault NC Probleme, woraufhin der Panzer ausgemustert wurde.

Infolgedessen war die 1. Spezial-Panzerkompanie ausschließlich mit dem Type 89 ausgestattet, als sie im März 1933 gegen chinesische Truppen ins Gefecht zog.

Erst 1933 wurde die Produktion des Type 89 signifikant erhöht. 291 der 404 bis zum Produktionsstopp 1939 hergestellten Exemplare waren Type 89 mit Dieselmotor, was diesen Typ zum vorherrschenden Modell machte.

Der Beginn der groß angelegten Panzerproduktion führte zur Aufstellung der ersten drei japanischen Panzerregimenter im Jahre 1933: das 1. Panzerregiment, basierend auf der Renault FT-Abteilung in Kurume, das 2. Panzerregiment, basierend auf der Whippet-Abteilung der Panzerschule in Chiba und das 3. Panzerregiment, ebenfalls in Kurume aufgestellt.  Das 1. Panzerregiment war das erste, das an einem Kriegsschauplatz eingesetzt wurde, nämlich bei der Kwantung-Armee[iii] in China.

Die Region Mandschukuo (rot) innerhalb des Einflussbereiches des japanischen Kaiserreiches.

 

Zu seiner Zeit war der Type 89 einer der besten Panzer der Welt. Er war weniger anfällig für mechanische Störungen als sein Vorgänger, der Renault FT, und war bei den Truppen beliebt.

Um dies in Relation zu setzen: Zu jenem Zeitpunkt befanden sich Deutschland und die UdSSR noch in der Entwicklung des Leichttraktors beziehungsweise des MS-1, während der Yi-Go gerade seine Herrschaft antrat.

 

Technische Daten Type 89 Yi-Go  
Abmessungen (L-B-H) 5,73 x 2,13 x 2,56 m
Gesamtgewicht (kampfbereit) 9,9 Tonnen
Besatzung 4 (Kommandant, Fahrer, Ladeschütze, Richtschütze)
Bewaffnung Typ 90 57-mm-, 2x Typ 91 6,5-mm-Maschinengewehre
Panzerung 6 - 17 mm
Antrieb

Mitsubishi A6120VD luftgekühlter Schrägscheiben-6-Zylinder-Dieselmotor

120 PS (90 kW) / 1800 U/min. 14.300 cm³
Reichweite (Straße):          150 km

Insgesamt hergestellt (beide Modelle): 409


 

Die späteren Jahre

Die frühen Erfolge Japans im Pazifik-Krieg zeigten einen geschickten und einfallsreichen Einsatz von Panzern in einem Gelände, von dem die britischen und amerikanischen Kommandanten glaubten, dass es ihren Einsatz einschränken würde.

Nachdem erste entscheidende Siege gegen die Alliierten verbucht werden konnten, schlug die japanische Strategie nun eine eher defensive Ausrichtung ein. Produktionspriorität wurde nun Kriegsschiffen und Flugzeugen eingeräumt, die die Hauptlast der neuen defensiven Marine-Kampagnen trugen. Trotz ihrer tragenden Rolle bei den Siegen von 1941-42 ging die Panzerproduktion nach Erreichen ihres Gipfels zurück.

Darüber hinaus stagnierten weitere Panzerentwürfe, da Japan immer noch von europäischen Einflüssen bei seiner technologischen Weiterentwicklung abhängig war.

Die Philippinen, 8. Dezember 1941 – 8. Januar 1942.

 

In Zahlen: Der leichte Panzer Type 95 Ha-Go war der Hauptpanzer der Kaiserlichen Japanischen Armee, mit einer Produktionszahl von 2.300 Fahrzeugen bis zum Kriegsende.

Das verbleibende Rückgrat der Kaiserlichen Japanischen Armee war der Type 97 Chi-Ha und seine Weiterentwicklung, der Type 97 ShinhoTo Chi-Ha.

Keines dieser gepanzerten Kampffahrzeuge war in der Lage, ihre alliierten Gegenstücke effektiv zu bekämpfen. Für den Type 95 erwies sich die amerikanische M3-Serie als zäher Widersacher. Entsprechend waren die M4 Shermans ein enormes Hindernis für die Chi-Ha-Serie.

 

Gegen Kriegsende hatte sich Japan auf etwas belastbarere Entwürfe eingelassen, wie etwa den Type 3 Chi-Nu, einem Nachfolger des Type 97 Chi-Ha, der gegen den M4 besser abschnitt. Aufgrund der industriellen Überbelastung und der Bombardierungen Japans wurden bis zum Kriegsende jedoch nur 144 Modelle hergestellt. Diese Produktionsfahrzeuge wurden für die letzte Verteidigung der Hauptinseln zurückgehalten.

Zusätzlich hatte Japan den Type 4 Chi-To entwickelt. Dieser Panzer stellte das japanische Pendant zum deutschen Panther dar. Er war als Gegenspieler des T-34 gedacht und daher mit einem langen 75-mm-Geschütz ausgestattet. Die ersten Einheiten wurde nur wenige Wochen vor Kriegsende fertiggestellt und niemals im Kampf eingesetzt. Nur sechs Fahrwerke wurden gebaut und lediglich zwei Panzer fertiggestellt.

Schwerer Panzer Type 4 Chi-To.

 

Nichtsdestotrotz besaß Japan eine der größten Panzerstreitkräfte der Welt und wenn man die Umstände berücksichtigt, verfügten sie über eine interessante Mischung an Konzepten und Entwürfen. Wir werden die Gelegenheit haben, viele davon im Spiel begutachten zu können.

 

Quellen:

  • Zaloga, Steven J. Japanese Tanks 1939–45.
  • Coox, Alvin D. Nomonhan; Japan Against Russia, 1939.
  • Jane's World War II Tanks and Fighting Vehicles von Leland Ness
  • Offene Quellen:

[i] Der Mukden-Zwischenfall, auch bekannt als der Mandschurei-Zwischenfall, wurde 1931 von abtrünnigen japanischen Militärs inszeniert und als Vorwand für eine japanische Invasion des nordöstlichen Teils Chinas, bekannt als die Mandschurei, genutzt.

[ii] Ein kurzzeitiger Krieg zwischen den Armeen der Republik China und dem Kaiserreich Japan.

[iii] Eine Militärgruppe der Kaiserlichen Japanischen Armee, die zum großen Teil verantwortlich für die Erschaffung des japanisch dominierten Kaiserreichs Mandschukuo war.

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